Leider ist kein Internetsignal in der Nähe zu finden und ich bin einfach nur noch müde und aufgekratzt. Ich habe das Bedürfnis, alle Eindrücke in Worte zu fassen aber irgendwie geht es nicht, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Also schreibe ich es so auf, wie es kommt.
Alle Sinne sind aufgespannt wie ein Bogen (wo hab ich das bloß her---Werther?!)
Heute morgen war so ein schlimmes Verkehrschaos, dass die Rikscha weder vorwärts noch rückwärts fahren konnte und ich habe mich so nach meinem grad heute vergessenen IPod gesehnt (Cori, ich hab versucht, dich anzurufen). Das beste ist, dass ich in Wirklichkeit nur zwanzig Minuten zu spät gekommen bin; die gefühlte Zeit war eineinhalb Stunden. Irgendwo gibt’s einen Ausweg und zwar immer. Danach sind wir in einem der berühmten Schlaglöcher stecken geblieben: aussteigen, rausschieben und weiter geht die Fahrt.
Die Luft ist seltsam, es ist ungewöhnlich windig und es regnet unregelmäßig. Aber trotzdem fühlt es sich immer drückend ab.
Die Arbeit ist anstrengend aber wenigstens langweile ich mich nicht. Zudem sind die Leute alle sehr nett.
Heute bin ich umgezogen und bin nicht sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben, so wie immer. Aber irgendwann muss man sich ja mal entscheiden. Wahrscheinlich hatte ich heute Abend meinen ersten kleinen Kulturschock. Eher orthodox gläubige Hindus, Schuhe aus, Reisessen nur mit der rechten Hand.
Bis dato wurde ich ja eher sanft geschaukelt in Meenas netter Service Apartment Unterkunft. (Die Tatsache, dass Anil, der Koch, Stubenmädchen und Putzfrau, 24h-Rezeption und Anstandsdamme in einem ist, nachts vor der Tür seine Matratze ausrollt---bizarrerweise okkupiert er in Abwesenheit der Gäste mit seinem Freund immer irgendein Zimmer und die beiden führen sich auf, wie ein Liebespaar, also sie sitzen vor dem Fernseher und kichern sich einen ab---ist für mich immer noch etwas befremdlich.
Und weiter: sind die komischen Käfer, die Nachts auf der Treppe hocken und manchmal durch die Küche sprinten jetzt nun Kakerlaken oder nicht??? Ich werde lieber keine Recherche starten. Die Küche hier ist jedenfalls sauber.
Das gute ist, ich bin soooo unendlich müde, dass es mir egal ist, wie hart meine Matratze ist und dass irgendwie alles müffelt. Richtig gut ist, dass alle Fenster im Haus offen sind, überall sind feinmaschige Moskitonetze davor, so dass ich es heute gar nicht erst probiert habe, meines aufzubauen (ich habe beschlossen, dass kein Moskito im Raum ist, Punkt. Leider habe ich vorhin anscheinend mal wieder den Hauptlichtschalter erwischt, so dass es dunkel ist, ich kein Licht mehr anbekomme und keinem blassen Schimmer hab, wie man das ändern kann. Aber der Laptop läuft noch auf Reststrom.
Letzte Nacht habe ich kaum geschlafen. Ab nächste Woche werde ich regelmäßig morgens in den Gym gehen. Das habe ich mir fest vorgenommen. Morgen werde ich endlich meine extra angefertigte Tracht abholen---ich bin schon mal echt gespannt, wie ich damit ausschaue. Wenn der Friedemann endlich mal ein paar Bilder schicken würde, wäre das Idaho-Bild auch schon längst weg.
Schluss, ich werde jetzt mindestens sieben Stunden am Stück schlafen und morgen wird alles glatt gehen. Und es geht mir schon viel besser, tada!
Mittwoch, 13. August 2008
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1 Kommentar:
Schoen ... wie ein Saft der einen in eine andere Welt traegt und doch den drust nicht stillt.
Ich habe wiedereinmal mit vertraeumten Blick deinen Blogg gelesen und hatte das Gefuehl direkt daneben zustehen, die schwere Luft zu atmen.Wirklich schoen.
Jan
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